Ökumenischer Gottesdienst  zum 
500. Reformationstag

„Erinnerungen heilen – Jesus Christus bezeugen“
Ökumenischer Christusfest-Gottesdienst 
zum 500. Reformationstag in Abenberg

Abenberg – Zum ersten Mal überhaupt feierten in Abenberg evangelische und katholische Christen am 31. Oktober einen gemeinsamen Gottesdienst zum Reformationstag. Etwa 350 Besucher füllten die katholische Stadtpfarrkirche fast bis auf den letzten Platz. Über dem Gottesdienst stand das Leitwort „Erinnerungen heilen – Jesus Christus bezeugen“.

Klänge des Posaunenchores der ev.-luth. Kirchengemeinde Dürrenmungenau und Abenberg empfingen an diesem einmalig bundesweit gesetzlichen Feiertag die Besucher auf dem Kirchplatz.

Während des Einzuges der beiden Pfarrer Tobias Brendel (evang.) und Stefan Brand (kath.) erinnerte die Männerschola Abenberg mit dem gesungenen gregorianischen Choral „Ubi caritas“ (aus Ende des 8. Jahrhunderts) an die Zeit vor der Kirchenspaltung und die
gemeinsamen Wurzeln der Konfessionen.

In ihren einführenden Worten brachten die beiden Geistlichen den Schmerz der Trennung zum Ausdruck, welche durch eine auseinander gerissene Kirchenbank vor dem Altar eindrücklich sichtbar war. Doch sollte das Kreuz Jesu Christi über dem Altar durch den
Gottesdienst Heilung bewirken, sei Jesus Christus doch das gemeinsame Zentrum und Verbindende der Konfessionen.

In einem Bußpsalm und durch Kyrierufe brachte die große Gemeinde anschließend die Schuld der Trennung vor Gott und bat Gott um Vergebung auch für Lauheit, die im gegenseitigen Verhältnis noch heute anzutreffen sei.

Das Schuldbekenntnis und die Vergebungsbitte mündeten in den Friedensgruß, den sich die Besucher untereinander zusprachen. Die Männerschola sang dazu das bekannte „Ubi caritas“ („Wo die Liebe wohnt…“) aus Taizé.

Als Evangelium verlas anschließend der kath. Stadtpfarrer Stefan Brand die Worte aus dem Johannesevangelium: „Jesus Christus spricht: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“

Diese griff Pfarrer Tobias Brendel in seiner Festpredigt auf, die er von der sonst nie benutzten Kanzel der Stadtpfarrkirche aus hielt. Von dem einen gemeinsamen Weinstock Jesus Christus her gehörten die Reben natürlicherweise zusammen. Es sei gottgewollter Auftrag, dass die Konfessionen wieder zueinander finden. Der heutige Feiertag sei eine einzigartige Chance, die nicht vertan werden dürfe, gemeinsam Jesus Christus und den Glauben zu bezeugen, möglichst groß, öffentlich, mitten unter den Menschen. Dies sei auch Martin Luthers Anliegen gewesen: keine Kirchenspaltung, sondern das Evangelium neu zum Leuchten bringen und die Kirche von Jesus Christus her erneuern. Pfarrer Brendel zitierte den führenden kath. Theologen Walter Kardinal Kasper, der Luthers Anliegen einen „Weckruf und Angebot des Heiligen Geistes an die Kirche“ (W. K. Kasper, Martin Luther. Eine ökumenische Perspektive, 24f) nennt.
Martin Luthers Wiederentdeckung des Evangeliums sei die Wiederentdeckung des Handelns Gottes gewesen. Nicht der Mensch könne und müsse sich sein Heil aus eigener Kraft erarbeiten, sondern Gott handelte an den Menschen aus Gnade durch Jesus Christus zu ihrem Heil. Aus diesem Evangelium von der Barmherzigkeit Gottes müssten die beiden Konfessionen gemeinsam neu leben lernen und es ökumenisch der Welt durch Wort und Tat bezeugen.
Auf Ortsebene in Abenberg und Umgebung noch näher zueinander zu finden, sei nötig und möglich durch herzliches Vergeben, gemeinsames Gebet und häufigere Begegnungen und Gespräche. 
Das letzte Wort in der Predigt ließ Pfarrer Brendel noch einmal Kardinal Kasper mit einem Ausblick auf die Chancen der Einheit der Kirche: „Die Einheit ist heute näher als vor 500 Jahren. Wir sind 2017 nicht mehr wie nach 1517 auf dem Weg zur Trennung, sondern auf
dem Weg zur Einheit. Wenn wir Mut und Geduld haben, werden wir am Ende nicht enttäuscht werden. Wir werden uns die Augen reiben und dankbar staunen, was Gottes Geist, vielleicht ganz anders als wir es uns ausgedacht haben, zuwege gebracht hat. In dieser ökumenischen Perspektive könnte 2017 für evangelische wie für katholische Christen eine Chance sein. Wir sollten sie nützen. Es täte beiden Kirchen gut, vielen Menschen gut, die darauf warten, und der Welt gut, die zumal heute unser gemeinsames Zeugnis braucht.“ (70f)

Ein modernes Lied als Glaubensbekenntnis nach der Predigt sowie ein weiteres neues begleitete schwungvoll das Musikteam, unterstützt von Sängern eines Projektchors.

Dann folgten Glaubenszeugnisse von Seiten katholischer wie evangelischer Gemeindeglieder. Vom Lesepult aus trugen Jüngere wie Ältere ihre ökumenischen Erfahrungen vor, teils schmerzvolle noch aus der Zeit des Gegeneinanders der Konfessionen, zum größeren Teil aber gelungene, schöne, ermutigende. Während dieser Berichte saßen Pfarrer Brand und Pfarrer Brendel auf der auseinander gerissenen Kirchenbank, die sie aber im Verlauf immer näher aneinander rückten, bis sie am Ende direkt nebeneinander zu sitzen kamen und der Gemeinde ein gemeinsames Vorhaben eröffneten:
ein ökumenisches Gemeindefest im Jahr 2018. Ein solches hat es in Abenberg bisher noch nie gegeben. Dies wollten sie mit ihren Gremien zusammen weiter verfolgen und so den Schwung des Reformationsgedenkens ins nächste Jahr mitnehmen.

Während des darauf folgenden Liedes wurde die Kollekte für den seit Jahren bestehenden ökumenischen Kinderbibeltag gesammelt. Dann waren alle Besucher eingeladen, auf einem Zettel zu notieren, welches das persönliche Herzstück ihres Glaubens sei und welches sie einem Glied der anderen Konfession gerne zeigen wollten. Die Zettel wurden zu einer Rolle gebunden und eingesammelt. Zum Empfang im Anschluss an den Gottesdienst durfte sich, wer sich an der Aktion beteiligt hatte, die Rolle eines Gliedes der anderen Konfession aus der Tombola ziehen. So etwa zog der erste Bürgermeister Werner Bäuerlein die Rolle einer evangelischen Jugendlichen, die ihm den Kinderbibeltag 2018 zeigen wird.

Zum Empfang wurden bei schönem, wenn auch etwas kühlem Wetter evangelische und katholische Küchla serviert und als Überraschungsgetränk drei Sorten von Lutherbier ausgeschenkt. 120 Gasluftballons, an denen ein Gebet um die Einheit der Kirche befestigt war, schickten die Gläubigen gleichzeitig gen Himmel, unter den Klängen des Posaunenchores zu „Über den Wolken“. Der evangelische Kirchenvorstand und der Pfarrgemeinderat und die Kirchenverwaltung der katholischen Pfarrgemeinde Abenberg  trugen erheiternde Gstanzln vor, speziell zum Anlass von Dr. Claudia Leikam gedichtet. In den Grußworten erinnerte Pfarrer Brand an die bereits bestehenden zahlreichen ökumenischen Aktivitäten in und um Abenberg und begrüßte Bürgermeister Bäuerlein die Idee eines gemeinsamen Gemeindefestes für 2018 und sicherte seine Unterstützung zu. 

Dann ging ein rundum gelungenes Fest zu Ende. Der Eindruck dürfte nicht täuschen, dass es vielen zu einer Ermutigung wurde, den ökumenischen Weg entschlossen, hoffnungsvoll und frohen Mutes weiterzugehen und zu vertiefen. 

Text: Pfarrer Tobias Brendel

Bilder (von Karlheinz Hiltl):

Zuletzt bearbeit am Samstag, 29. September 2018 von W.Horst.