Stadtpfarrkirche St. Jakobus

Die Stadtpfarrkirche St. Jakobus

Inmitten der Stadt, auf einer kleinen Anhöhe, steht der wuchtige Bau der Stadtpfarrkirche St. Jakob, gleichsam als „das Zelt Gottes unter den Menschen“. Der Ursprung dieses in herber Schlichtheit aus heimischen Sandsteinquadern erbauten Gotteshauses und der Pfarrei geht auf die Jahrtausendwende, auf die Epoche der Grafen von Abenberg zurück.

Blick vom Kloster Marienburg auf die Stadt Abenberg.
links: Stadtpfarrkirche / rechts: Burg Abenberg

Die erste (spätromanische) Kirche in Abenberg weihte Bischof Gundekar II. von Eichstätt (1057-1075) laut seinem Pontifikalbuch bei einer „Visitatio“. Eine capella sanct Jacobi wird um die Mitte des 12. Jh. in einer Heilsbronner Tauschnotiz erwähnt. Graf Wolfram II. von Abenberg gründete Anfang des 12. Jh. ein Benediktinerkloster im Ort (ein Abt Ulrich von Abenberg ist 1142 bei der Synode in Eichstätt dabei), das jedoch 1150 aufgrund des Einspruchs seines Sohnes Rapoto als Stiftung nach Heilsbronn verlegt wurde. Auch eine zweite Klosteransiedlung währte nur von 1294-1300, als das Spalter Kollegiatstift St. Nikolaus an die Abenberger Jakobskirche verlegt wurde. Nach dem Erwerb von Burg und Ort (castrum et oppidum) durch Fürstbischof Reinboto von Eichstätt 1296 um 4000 Pfund Silberheller wurde Abenberg eigene Pfarrei im Eichstätter Oberstiftsland, ehedem gehörte es zur Urpfarrei Pfaffenhofen. Das bischöfliche Pflegeamt Abenberg umfasste 26, später sogar 39 Ortschaften. Von der Kirche des 11. bzw. 12. Jh. finden sich keine Nachweise mehr, wohl aber Bauteile von der spätromanischen des 13. Jh. an der Kirchennordwand.

Unter Pfarrer Christian Haberstroh wurde 1468 der spätgotische Chor angebaut, gleichzeitig das Kirchenschiff erhöht und nach Süden verbreitert. Das bis dahin dreiachsige Langhaus wurde 1624 - 1627 um zwei Achsen nach Westen verlängert und erhielt das Tonnengewölbe. Ein weiterer Umbau folgte 1701, die endgültige Erweiterung kam 1854.

In den Jahren 1984 bis 1986 erfolgte unter Pfarrer Rohbach (Bauleitung Architekt Heinrich) eine umfassende Innen- und Außenrestaurierung der Kirche sowie des Turmes.

Ausstattung.

Der eingezogene behäbige Chor trägt eine Holzdecke, Spitzbogenfenster im Chor dreiteilig mit Maßwerk und Schrägleibung. Einfaches Tonnengewölbe weist das schlichte Langhaus mit sechs Jochen auf.

m Schrein des Hochaltars (dieser ist eine Stiftung der Gebrüder Anton und Heinrich Heckl aus Brooklyn/USA an ihre Heimatstadt 1922) Muttergottes mit Kind (um 1470), Kirchenpatron Jakobus (barock) und Stadtpatronin Stilla. Die Altarflügel zeigen in Hochreliefs Szenen aus dem Marienleben.

 

 

Bild

folgt

 

 

An der Nordmauer des Chores drei aus dem Kloster Marienburg stammende Gemälde:
Darstellung Jesu im Tempel (um 1680, vermutlich Kilian Staufer);
links: Mariens Vermählung mit Joseph;
rechts: Freundschaft Christi (1734).

Bild an der Südseite: Jakobus predigt (Rokokozeit).

Über der Sakristeitüre Anna selbdritt (etwa 1470).

Die Seitenaltäre weisen gewundene Säulen auf, der rechte ist dem hl. Sebastian geweiht (Figur 1857 von Bildhauer Bechler für 100 Gulden geschnitzt), oben Ignatius von Loyola. Am Altartisch in Barockschrein Wachsjesuskind.

Der linke Altar ist dem hl. Joseph geweiht (barocke Figur als Zimmermannspatron mit Säge), oben Franziskus.

Über dem Chorbogen ein ausdrucksvolles Rokokokruzifix, an der Kanzel (1702) zeigen Füllungen den predigenden Jesus und die vier Evangelisten. Auf dem Schalldeckel wieder der Kirchenpatron Jakobus mit Pilgerstab.

Am Pfeiler gegenüber eine schöne Marienstatue mit dem Jesuskind (gotisch um 1500, neu gefasst 1977). Daneben ein 1985 freigelegtes Fresko „Taufe Jesu durch Johannes im Jordan“ mit Jahreszahl 1597.

An den Pfeilern des Nordportals Patrone der Bauern, St. Wendelin und St. Isidor
(Rokokoarbeiten, dem nieder-bayerischen Ferd. Anton Hiernle nahestehend).

An der Südseite St. Sebastian
mit hochgehobener Hand (um 1500);

Herz-Jesu-Büste (klassizistisch, um 1800) und St. Ottilia.

An den Wänden weisen Grabsteine auf Pfleger der Abenberger Burg hin: am Chorbogen rechts Wappenstein der Seckendorf 1498; gegenüber für ein Kind des Burgpflegers Alois Freiherr von Riedheim (barock). Am Nordportal Gedenkstein für Kastner Joh. Mich. Strauß und Ehefrau Clara (1703), am Südportal: Pfleger Freiherr von Ebingen (1765). -

Vier Zunftstäbe zeugen von der reichen Handwerkstradition der Stadt (neun Zunftordnungen): Laurentius, Joseph, Stephanus und Vitus. Die vier Prozessionsstangen mit den Patronen Maria, Johannes der Täufer, Georg und Stilla sind vermutlich keine Zunftstangen.

Die Orgel wurde 1857 für 1347 Gulden angeschafft.

Zwei Taufsteine aus Schilfsandstein und Juramarmor an der Nordseite. An der Chor- und Emporenbrüstung Marienbilder und Engelsdarstellungen.

Das Äußere der Kirche. Sandsteinquaderwerk, seit 1921 freigelegt. An der Nordseite hat sich ein spätromanisches, auf zwei Säulen ruhendes Portal erhalten, darüber ein Rundbogenfries.

In den Außennischen der hl. Nepomuk (barock) und eine spätgotische Madonna. An der Presbyteriums-Rückseite eine lebensgroße, einfache Ölberggruppe aus Stein (15. Jh.), sie wurde 1864 beim Abbruch des Totenbahrhäuschens wieder aufgefunden.

Der massive Turm ist offenbar älter als die Kirche. Er hatte früher, wie Bauart und Türöffnungen beweisen, die Aufgabe eines Wehrturmes. Ungegliedert erhebt er sich zur stattlichen Höhe von 33 Metern. Das Obergeschoß ist ohne Zangenlöcher. Er wurde 1468 erhöht, seine heutige Form erhielt der Turm 1769 mit abgestumpftem Ziegelhelm und Kuppellaterne.

 

Text von: Franz Kornbacher

 

Zuletzt bearbeit am Montag, 25. September 2017 von W.Horst.