Stillafest 2019

Gläubige pilgerten zum Stillafest nach Abenberg

Würzburger Bischof em. Friedhelm Hofmann war Prediger und zelebrierte Festgottesdienst - Das Stillewerden vor Gott - Heilmittel zur Bewältigung von Krisensituationen

Fotos (Karlheinz Hiltl):

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Bild 1: Hauptzelebrant und Prediger beim Festgottesdienst des diesjährigen Stillafestes war Bischof em. Friedhelm Hofmann aus dem Nachbarbistum Würzburg. Konzelebranten waren (von links) Pfarrer Klaus-Dieter Geuer, Ortspfarrer Stefan Brand, Diakon Jürgen Zeller, Pfarrer Franz Kurzendorfer und Pater Hans Mader

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Bild 2: Hauptzelebrant und Prediger Bischof em. Friedhelm Hofmann mit den Konzelebranten (von links): Pfarrer Klaus-Dieter Geuer, Diakon Jürgen Zeller, Pfarrer Franz Kurzendorfer und Pater Hans Mader. Rechts: Ortspfarrer Stefan Brand

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Bild 3: Ortspfarrer Stefan Brand und Diakon Jürgen Zeller begleiteten die Wallfahrergruppen mit liturgischem Dienst und Abordnung der Pfarrei bei Glockengeläut und betend vom Prälat-Sperber-Platz in den Hof des Klosters Marienburg. Dort fand bei besten Wetterverhältnissen der Festgottesdienst.statt

ABENBERG (hi) - Am Sonntag fand in Abenberg das traditionelle Stillafest statt. Im Mittelpunkt des Wallfahrtstages stand das Pontifikalamt vor der Peterskirche im schattigen Klosterhof mit dem Würzburger Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann als Hauptzelebrant und Festprediger.

Wallfahrergruppen aus Stirn mit Pleinfeld, Mühlstetten, Röttenbach, Georgensgmünd, aus Wolframs-Eschenbach, Rednitzhembach, Spalt, Veitsaurach und Obererlbach machten sich schon früh zu Fuß auf den Weg, trotzten den morgendlichen Regengüssen und waren pünktlich am Prälat-Sperber-Platz, dem vereinbarten Sammelpunkt. Dort wurden sie von Ortspfarrer Stefan Brand begrüßt. Zusammen mit dem liturgischen Dienst und Vertretern der Pfarrgemeinde St. Jakobus d. Ä. begleitete sie der Geistliche unter Glockengeläut und betend hinauf zum Klosterhof, wo sich bereits eine große Schar an Gläubigen versammelt hatte.

Zur Erinnerung ließen Franz Kornbacher und Josef Einzinger das Titelbild des diesjährigen Stillafestes, ein grafisches Bildmotiv der Abenberger Stadtpatronin, entdeckt auf einem Notenheft mit Stilla-Ballade aus dem Jahre 1910, als Postkarte drucken und unter den Gläubigen verteilen.

Pilger aus Nah und Fern, unterwegs zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auch mit dem Auto, alle wurden sie von Pfarrer Brand herzlich willkommen geheißen. Besonders freute es ihn, den hochwürdigsten Herrn Bischof em. Friedhelm Hofmann von Würzburg begrüßen zu können und als Konzelebranten die Geistlichen Pfarrer Klaus-Dieter Geuer (Schwesternwohnheim), Pfarrer Franz Kurzendorfer (Betreutes Wohnen und Seniorenzentrum), Pfarrer Hans Schleer (Seniorenzentrum) befand sich unter den Gläubigen, sowie Pater Hans Mader aus Heilsbronn-Dietenhofen und Jürgen Zeller (Abenberg), den Diakon in der Pfarrei und im Klinikum Roth. Außerdem die Schwestern von der Schmerzhaften Mutter des Klosters Marienburg, "die hier das Grab der seligen Stilla hüten und hier täglich beten".

Der seligen Stilla dankte Pfarrer Brand für das Kirchlein, das sie errichten und von Bischof Otto von Bamberg, einem möglichen Verwandten, 1132 dem Heiligen Petrus weihen ließ. Dort fand sie auch ihre letzte Ruhestätte.

Musikalisch umrahmt wurde der feierliche Festgottesdienst von der Blasmusik der DJK Abenberg unter der Leitung von Sebastian Pröger.

Gotteslob und Nächstenliebe prägten das Leben und Wirken der Seligen Stilla

In seiner beeindruckenden Predigt ging Bischof Hofmann ein auf das Leben und Wirken der 1927 selig gesprochenen Stilla (1100 bis ca. 1150), der Grafentochter, die sich vom höfischen Leben lossagte und sich mit ihren drei Gefährtinnen in Armut, Keuschheit und Gehorsam Armen, Kranken und Notleidenden widmete. So blieb ihr Leben vorbildlich über Jahrhunderte hinweg bis in unsere Zeit, was Bischof Hofmann veranlasste zu hinterfragen, ob es nicht einem Wunder gleich käme, dass nach mehr als 800 Jahren "eine solche Wallfahrt, wie wir sie heute erleben", möglich sei?

Sowohl Gotteslob wie die Liebe zum Nächsten hätten Stilla damals geprägt. Das spirituelle und caritative Leben in der Hinwendung zum Nächsten seien (auch heute noch) "die beiden Lungenflügel der Kirche".

Bischof Hofmann erinnerte, dass 1920 Schwestern von der aus Mellrichstadt im Würzburger Bistum stammenden Schwester Franziska Streitel gegründeten Ordensgemeinschaft der Schmerzhaften Mutter nach Abenberg kamen,  welche die alte Tradition des geistlichen Lebens und der tätigen Nächstenliebe fortsetzten und Reste des früheren (Augustinerinnen-) Klosters wieder aufbauten. Durch den heute fehlenden Ordens- und Priesternachwuchs jedoch stehe nun auch diese Einrichtung vor der Herausforderung, diese abzugeben.

Wir leben nicht nur in einer Zeit der Veränderung, sondern in einer Zeitenwende

In diesem Zusammenhang erinnerte der Prediger an die 50er, 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als die Kirche noch scheinbar gefestigt dastand. Die Erfahrungen der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft und die Folgen des 2. Weltkriegs hätten zur Bekehrung geführt und aus dem Glauben heraus eine soziale Marktwirtschaft ermöglicht. Der Vergleich mit dem Heute, dem Anfang des 21. Jahrhunderts, mit der virtuellen Gegenwart, in der die Welt gefühlsmäßig kleiner geworden sei mit all ihren Errungenschaften offenbarten den Unterschied.

Die Glaubwürdigkeitskrise der Kirche habe durch das Aufdecken der sexuellen Übergriffe sehr gelitten und erschwere die heutige Situation erheblich. Mit dieser Aussage sprach der Bischof ein brisantes, zeitaktuelles Thema an. Er zitierte aus dem jüngsten Brief, den Papst Franziskus an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland richtete, "dass wir nicht nur in einer Zeit der Veränderungen leben, sondern vielmehr in einer Zeitenwende, die neue und alte Fragen aufwirft, angesichts derer eine Auseinandersetzung berechtigt und notwendig ist".

Stilla lebte es vor: Krisensituation kann durch Umkehr und Besinnung auf Jesus Christus bewältigt werden

Die Zeit könne nicht zurückgedreht werden, so der Bischof weiter und gab sich überzeugt, dass wir erkennen können, was uns in dieser Krisensituation voran bringt. Die selige Stilla, die Abenberger Stadtpatronin und Eichstätter Bistumsselige, habe es uns vorgelebt: Es gehe um Umkehr und um Besinnung auf Jesus Christus, die der Papst erfrischend von jedem einzelnen einfordere. Er schloss seine Predigt mit Worten aus dem ersten Petrusbrief und dem Evangelium nach Matthäus, den Lehrtexten der Lesung an diesem Tag: "Dient einander, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat" und "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan."

Botschaft in Nachmittags-Andacht: Wenn Christus bei uns Gast sein darf, dürfen wir auch Gast bei ihm sein

Bei der Andacht am Nachmittag brachte Pfarrer Brand in seiner Ansprache Stilla mit dem Evangelium des Sonntags in Verbindung, mit den guten Absichten der beiden Schwestern Marta und Maria. So habe Maria in Betanien ein Leben des Hörens auf Gottes Wort und des Gebetes geführt und sich liebevoll um die Armen und Kranken gekümmert, so wie Marta durch die Bewirtung Jesu ihm, der als Mensch auf Erden gelebt hat, Gutes tat und aus Güte diesen Dienst annahm.

Pfarrer Brand brachte den Psalmvers "Herr, wer darf Gast sein in deinem Zelt?" mit dem pastoralen Raum "zu GAST" (= Anfangsbuchstaben der vier Pfarreien Großweingarten, Abenberg, Spalt und Theilenberg) in Verbindung. Hier gehe es um das Bemühen, Pilger und Gäste freundlich aufzunehmen, denn im menschlichen Gast kehre eigentlich Christus bei uns ein. Und wenn Christus bei uns Gast sein dürfe, dürfen wir letztlich auch Gast bei ihm sein.

So wie zahlreiche Gläubige nach dem Festgottesdienst am Vormittag den Stillasegen durch den Bischof empfingen, konnten auch am Nachmittag viele Gläubige aus Nah und Fern den Stillasegen durch Auflegung der Reliquie empfangen.

Text und Bilder: Karlheinz Hiltl

Zuletzt bearbeit am Sonntag, 6. Oktober 2019 von W.Horst.